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Die Mistel - die Pflanze des Küssens und der Druiden

In der Adventzeit findet man auch bei uns immer mehr Misteln, die über der Tür/dem Tor hängen - damit ist zumindest in England der Brauch verbunden, dass eine junge Dame, die unter einem solchen Zweig steht, auf der Stelle geküsst werden darf.  

 

Die "Weißbeerige Mistel" (Viscum album) aus der Familie der Sandelholzgewächse, die bei uns vorkommt, blüht bereits in den ersten Monaten des Jahres, ...

 

... braucht aber dann bis November, Dezember, um die charakteristischen weißen Beeren auszubilden. 

Die Mistel gehört zu den wenigen parasitischen Gefäßpflanzen in Europa. Sie ist ein sogenannter Halbschmarotzer, weil sie direkt auf Bäumen lebt und sich von diesen Wasser und Nährsalze aus deren Gefäßbahnen holt. Die Photosynthese, mit deren Hilfe sie Ernährung und Wachstum bewerkstelligt, erfolgt dann mit Hilfe des Blattgrüns in ihren Blättern.

 

Dieser Link führt zu einem früheren Artikel, der sich u. a. mit der Photosynthese befasst. >>

 

Die Samen, die hauptsächlich von Vögeln (Misteldrossel, Mönchsgrasmücke) verbreitet werden, sind von einer gallertartigen, klebrigen Schicht umgeben, die sogar dann teilweise erhalten bleibt, wenn sie einen Vogeldarm durchwandert haben.

Dadurch bleiben sie an der Rinde der Bäume "picken", bis sie keimen.

 

Hat sich der Same einmal festgesetzt, verankert er sich mit einem sogenannten Haustorium (= Saugorgan zur Wasseraufnahme) an der Wirtspflanze und entwickelt Äste und Blätter. Die Mistel saugt dann aus dem Stamm - wie bereits erwähnt - das für die Photosynthese notwendige Wasser sowie die darin gelösten Mineralsalze.

 

Der gelbe Pfeil zeigt auf eingewachsene Misteln auf einem Tannenast.

Bei der "Weißbeerigen Mistel" gibt es Unterarten, die bereits im Namen die Zuordnung zu verschiedenen Wirts-Baumarten tragen: Die Kiefern- oder Föhrenmistel, ...

... die Tannenmistel (beide Bilder wurden in Doberndorf im Wald von StR a. d. Josef Rieffer aufgenommen) und ...

... die Laubholz-Misteln, die hier die Pappeln entlang der Straße zur Brücke von Andau befallen haben.


Bei der Laubholz-Mistel gibt es überaus viele Wirtspflanzen, dazu gehören u. a.: Weiden, Apfelbäume, Ebereschen, Birken, Robinien, Linden, Ahorn, Hasel, Flieder, Liguster etc..

 

Dieses Bild von einem typischen Mistelzweig leitet zur Mythologie über: Speziell in der Keltenzeit war die Mistel eine der wichtigsten Pflanzen. Sie wurde von den Priestern (= Druiden) zu/bei kultischen Handlungen benutzt, wurde als heilig verehrt, war Sinnbild für immerwährendes Leben und stand auch als eine Art Allheilmittel hoch im Kurs.

Bildquelle: Wikipedia/ Heinrich Stürzl
Bildquelle: Wikipedia/ Heinrich Stürzl

Dieser "Keltenfürst von Glauberg" (Statue aus Sandstein), der im Zuge von Ausgrabungen in Deutschland gefunden wurde, trägt einen Kopfschmuck in Form einer Blattkappe, ...

Bildquelle: Wikipedia/ Heinrich Stürzl; Bildkollage: Josef Pfleger
Bildquelle: Wikipedia/ Heinrich Stürzl; Bildkollage: Josef Pfleger

... für die Mistelblätter als Vorlage gedient haben könnten. Da Misteln ein Erkennungsmerkmal von Druiden sind, wird dem Fürsten/Druiden dieser "Beruf" in einigen Publikationen zugeschrieben. Wissenschaftlich belegt ist das allerdings nicht.


Der bekannteste Druide dürfte in der Jetztzeit wohl Miraculix sein, der in der Comicserie "Asterix und Obelix" für Majestix und seine Gallier den Zaubertrank braut, der sie unbesiegbar macht. Selbstredend gehören zu den Zutaten Misteln, die allerdings mit einer goldenen Sichel geschnitten werden müssen.

Text und alle Bilder (wenn nicht namentlich genannt): © Josef Pfleger