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Josefs spitze Feder

„Nicht nachvollziehbar, sondern auch eine Frechheit!“

Ganz ehrlich: Mir ist es schon ein Anliegen, dass ich weiß, woher mein Essen kommt. Daher gibt es auch meine volle Zustimmung zu Ministerin Elisabeth Köstingers Plan zu einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung der Lebensmittel.

Darüber diskutierte ich auch mit meinem Freund Josef, seines Zeichens Oberlehrer von Beruf.

„Ich möchte einfach gerne wissen, ob die Paradeiser aus dem Seewinkel oder aus Haifa kommen, ich möchte wissen, ob das Hendl aus Österreich oder aus den Niederlanden stammt, ob das Rindfleisch aus dem Waldviertel oder Argentinien kommt. Und: Ich kaufe bewusst heimische Produkte, am liebsten solche aus der Region, bei denen ich den Landwirt oder Imker persönlich kenne“, gab sich mein Freund beeindruckend ruhig und patriotisch.

Im gleichen Atemzug wurde er aber schon wieder skeptisch: „Jetzt frage ich mich aber, warum sich die „Lebensmittel-Industrie“ so vehement gegen diese Kennzeichnung wehrt. Will man uns etwas unterjubeln? Hendln mit hohem Penicillinanteil? Schweinefleisch aus Zuchtfabriken auf hoher See? „G’spritztes“ Obst im wahrsten Sinn des Wortes?“

„Oder geht es nur um den Profit?“, warf ich ein.

„Das ist wahrscheinlich des Pudels Kern“. Der heute sonst so friedliche Freund Josef hatte damit endlich seine normale Betriebstemperatur erreicht und setzte den für ihn gebührlichen Schlusspunkt in dieser Debatte: „Es ist schon klar, dass man, wenn man aus mehreren Ländern z. B. Fleisch importiert, auch mehrere Etiketten drucken muss. Dass das etwas kostet, ist nachvollziehbar. Aber uns – aus welchen Gründen auch immer - verheimlichen zu wollen, woher unser Essen kommt, ist nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern auch eine Frechheit. Punktum.“

   
24.5.2018 / JKP